Wann den Notarzt rufen? Ärztliche Notdienste in Berlin
Der ärztliche Notdienst in Berlin umfasst drei Wege: den Notruf 112 der Berliner Feuerwehr bei Lebensgefahr, den kostenfreien kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 und private Hausbesuchsdienste wie RAB Arztbesuche mit Ankunft in 60–90 Minuten.
Medizinisch geprüft von Susanne Reiche
Fachärztin für Innere Medizin – Geriatrie – Palliativmedizin – Privatärztin
Zuletzt aktualisiert:
Welcher Weg passt jetzt?
Lebensgefahr
Sofort 112 wählen
- Bewusstlosigkeit oder keine Reaktion
- Brustschmerz, Herzinfarkt-Zeichen
- Schlaganfall-Zeichen (FAST)
- Schwere Atemnot, starke Blutung
Kostenlos, rund um die Uhr, Rettungswagen und Notarzt.
112 anrufenAkut krank, Arzt soll kommen
Privatarzt-Hausbesuch in 60–90 Min
- Täglich 6–24 Uhr, Berlin und Umgebung
- Approbierte ÄrztInnen
- Rezept und Krankschreibung vor Ort
- GOÄ-Abrechnung, meist 150–300 €
Auch für Kassenpatienten als Selbstzahler.
Gesetzlich versichert, Wartezeit ok
116 117 anrufen, kostenlos
- KV-Bereitschaftsdienst, rund um die Uhr
- Bereitschaftspraxen oder Telefonberatung
- Hausbesuch nur wenn nicht transportfähig
Träger: Kassenärztliche Vereinigung Berlin.
116 117 anrufen Praxen-Adressen ansehenWann Sie sofort die 112 wählen müssen
Bei diesen Warnzeichen zählt jede Minute, wählen Sie ohne zu zögern die 112. Die Nummer ist kostenlos und funktioniert auf jedem Mobiltelefon auch ohne Guthaben oder SIM-Karte:
- Bewusstlosigkeit oder fehlende Reaktion auf Ansprache
- Verdacht auf Herzinfarkt: starke Brustschmerzen mit Ausstrahlung, Atemnot, kalter Schweiß
- Verdacht auf Schlaganfall: Lähmung, hängender Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörung (FAST)
- Schwere Atemnot, die sich rasch verschlechtert
- Starke, unstillbare Blutungen
- Schwere Verletzungen nach Sturz, Unfall, Strom oder Verbrennung
- Krampfanfälle, die nicht aufhören oder erstmals auftreten
- Schwere allergische Reaktion oder Verdacht auf Vergiftung
Bei psychiatrischen Notfällen mit Eigen- oder Fremdgefährdung ebenfalls 112 oder 110. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu oft anrufen als einmal zu wenig, die Leitstelle schätzt die Dringlichkeit ein.
Kein Notfall: Hausbesuch oder 116 117?
Wann ist der private Hausbesuch die bessere Wahl?
- Sie brauchen eine kalkulierbare Anfahrtszeit und ein festes Zeitfenster
- Englischsprachige Behandlung im Hotel oder Apartment ist wichtig
- Sie sind privat versichert oder zahlen den Hausbesuch selbst
- Sie möchten einen erfahrenen Arzt, keinen rotierenden Bereitschaftsarzt
- Diskretion und ruhiges Setting sind Voraussetzung (Hotel, Botschaft, Privatwohnung)
Wann ist die 116 117 die richtige Anlaufstelle?
- Sie sind gesetzlich versichert und können die Wartezeit abwarten
- Die Beschwerden sind klar abgrenzbar und nicht zeitkritisch
- Sie möchten die kostenfreie Versorgung Ihrer Krankenkasse nutzen
- Es geht um eine reine telefonische Einschätzung in der Nacht
Brauchen Sie heute noch ärztliche Hilfe?
Ein approbierter Arzt kommt in 60–90 Minuten zu Ihnen nach Hause, ins Büro oder Hotel, täglich 6–24 Uhr in ganz Berlin.
116 117: Bereitschaftspraxen in Berlin
Sechs KV-Notdienstpraxen für Erwachsene verteilen sich über das Stadtgebiet, meist auf Klinikgeländen. Ohne Termin, Krankenversichertenkarte genügt:
Charlottenburg-Wilmersdorf
DRK-Kliniken Berlin Westend
Spandauer Damm 130, 14050 Berlin
Friedrichshain-Kreuzberg
Vivantes Klinikum im Friedrichshain
Landsberger Allee 49, 10249 Berlin
Marzahn-Hellersdorf
Unfallkrankenhaus Berlin (Biesdorf)
Warener Str. 7, 12683 Berlin
Mitte (Wedding)
Jüdisches Krankenhaus Berlin
Heinz-Galinski-Str. 1, 13347 Berlin
Neukölln
Vivantes Klinikum Neukölln
Rudower Straße 48, 12351 Berlin
Steglitz-Zehlendorf
Charité Campus Benjamin Franklin
Hindenburgdamm 30, 12203 Berlin
Für Kinder gibt es eigene kinderärztliche Bereitschaftspraxen, etwa an den DRK Kliniken Westend, am Sana Klinikum Lichtenberg, an der Charité Virchow-Klinikum, am Vivantes Klinikum Neukölln (Kormoranweg 45) und am St. Joseph-Krankenhaus Tempelhof.
Öffnungszeiten
Abends werktags, Mi/Fr ab Nachmittag, Wochenende ca. 9–21 Uhr; nachts nur Telefon
Typische Wartezeit
Mehrere Stunden an Wochenenden, Feiertagen und in Grippewellen
Standorte können sich ändern; die tagesaktuelle Liste veröffentlicht die KV Berlin auf 116117.de.
Was kostet welcher Weg?
Notruf 112
Krankenkasse zahlt
Zuzahlung 10 % der Fahrkosten, 5–10 €
Privatarzt-Hausbesuch
GOÄ, meist 150–300 €
PKV erstattet je nach Tarif; GKV-Patienten als Selbstzahler
116 117
Kostenfrei (GKV)
Nur übliche Eigenanteile, z. B. Medikamente
Jeder Kassenpatient kann den RAB-Hausbesuch als Selbstzahler buchen; eine private Zusatzversicherung erstattet oft einen Teil. Details mit Beispielrechnung: Kosten & GOÄ.
Häufig gestellte Fragen
Welche Nummer wähle ich im Notfall in Berlin?
Was ist der Unterschied zwischen 112 und 116 117?
Darf ich den Notarzt bei starken Schmerzen rufen?
Was passiert, wenn ich die falsche Nummer wähle?
Wie schnell kommt der Rettungswagen in Berlin?
Was kostet ein Rettungswagen-Einsatz in Berlin?
Wie lange dauert die Wartezeit bei der 116 117 in Berlin wirklich?
Bekomme ich über 116 117 einen Hausbesuch?
Wo ist die nächste KV-Notdienstpraxis in Berlin?
Ist der kassenärztliche Notdienst kostenlos?
Kann ich als Kassenpatient den RAB Hausbesuch buchen?
Ist RAB teurer, weil es schneller geht?
Ratgeber im Detail
Hintergründe zu Notruf, Rettungsdienst, Notaufnahme und 116 117 zum Nachlesen:
Die fünf W-Fragen beim Notruf und Erste Hilfe bis zum Eintreffen
Orientieren Sie sich am Telefon an den fünf W-Fragen der Leitstelle: Wo ist es passiert, was ist geschehen, wie viele Betroffene, welche Verletzungen, und warten Sie auf Rückfragen. Legen Sie nicht auf, bis die Leitstelle das Gespräch freigibt.
- Bei Bewusstlosigkeit mit Atmung: stabile Seitenlage
- Bei Herz-Kreislauf-Stillstand: sofort Herzdruckmassage, etwa 100–120 Mal pro Minute
- Bei starker Blutung: festen Druck auf die Wunde ausüben
- Bei Schock: Beine hochlagern, betroffene Person warm halten und beruhigen
Wie schnell der Rettungsdienst in Berlin eintrifft
Die gesetzliche Hilfsfrist beträgt in Berlin laut Berliner Rettungsdienstgesetz für lebensbedrohliche Einsätze in der Regel acht Minuten ab Notruf. In der Praxis schwankt die tatsächliche Anfahrtszeit je nach Verkehrslage, Tageszeit und Einsatzaufkommen. Geben Sie am Telefon Ihren genauen Standort und den Zustand der betroffenen Person an, damit die Leitstelle die Priorität korrekt einstuft.
Notaufnahme oder Notruf: wann fahre ich selbst?
Eine eigenständige Fahrt in die Notaufnahme ist nur sinnvoll, wenn Ihr Zustand stabil ist und keine Verschlechterung während der Fahrt zu erwarten ist. Die Notaufnahme ist auf schwere, akute Fälle mit Zugang zu Labor, CT, Röntgen und Operation ausgelegt: tiefe Schnittwunden, Knochenbrüche, starke Bauchschmerzen ohne Schockzeichen. Besteht Lebensgefahr oder kann der Zustand unterwegs kippen, fahren Sie niemals selbst, dann gilt ausnahmslos die 112.
Berliner Rettungsstellen sind chronisch überlastet: Laut einem Bericht der B.Z. wurden von rund 1,2 Millionen Patienten an Berliner Klinik-Erste-Hilfen etwa 680.000 ohne stationäre Behandlung wieder nach Hause geschickt, überwiegend ambulante Fälle. Für genau diese Fälle sind Hausbesuch und Bereitschaftsdienst die schnellere Wahl; siehe RAB vs. Notaufnahme und Hausbesuch oder Notaufnahme?.
Kassenärztlicher Bereitschaftsdienst: Träger, Zuständigkeit, Abgrenzung
Der kassenärztliche Notdienst, offiziell der ärztliche Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin, ist bundesweit unter 116 117 erreichbar und für gesetzlich Versicherte kostenfrei. RAB Arztbesuche ist nicht der KV-Notdienst, sondern ein privatärztlicher Hausbesuchsdienst nach GOÄ, der als wartezeitfreie Alternative täglich von 6 bis 24 Uhr arbeitet.
Der Bereitschaftsdienst übernimmt außerhalb der Sprechstundenzeiten die ambulante Versorgung gesetzlich Versicherter. Er ist klar von der Notfallmedizin abzugrenzen: Diese ist über die 112 erreichbar und für lebensbedrohliche Zustände wie Herzinfarkt, Schlaganfall, schwere Atemnot oder nicht stillbare Blutungen vorgesehen.
Wann die 116 117 zuständig ist, und wann die 112
Die 116 117 kommt zum Einsatz, wenn eine Erkrankung akut behandlungsbedürftig, aber nicht lebensbedrohlich ist und üblicherweise beim Haus- oder Facharzt behandelt würde, dessen Praxis gerade geschlossen ist: fieberhafte Infekte, Magen-Darm-Beschwerden, Harnwegsinfekte, Ohrenschmerzen oder ein dringendes Folgerezept. Stellt sich im Telefonat ein echter Notfall heraus, alarmiert die Leitstelle umgehend den Rettungsdienst; umgekehrt verweist die 112 nicht dringliche Fälle an die 116 117.
Wer mobil ist, wird meist an eine Bereitschaftspraxis verwiesen: Laut einer Patientenbefragung warten dort rund 37 Prozent weniger als 15 Minuten, im Schnitt etwa 30 Minuten, je nach Andrang deutlich mehr. Auch eine Krankschreibung am Wochenende ist über beide Wege möglich.
Wie ein Anruf bei der 116 117 abläuft, mit Checkliste
Nach dem Anruf wird die Dringlichkeit in einer telefonischen Ersteinschätzung erfasst. Je nach Fall folgt eine telefonische Beratung, die Vermittlung an eine Bereitschaftspraxis oder ein Hausbesuch; bei vital bedrohlichen Hinweisen wird der Rettungsdienst aktiviert. Ein KV-Hausbesuch wird nur veranlasst, wenn die Patientin oder der Patient nachweislich nicht transportfähig ist. Halten Sie bereit:
- Krankenversichertenkarte (Name, Geburtsdatum, Kasse)
- Beschwerden mit Beginn und Verlauf, gemessene Temperatur
- Vorerkrankungen und aktuelle Medikamentenliste
- Vollständige Adresse mit Etage und Klingelbeschriftung
- Eine durchgehend erreichbare Rückrufnummer
Was eine Bereitschaftspraxis ist und was dort geleistet wird
Eine Bereitschaftspraxis (auch Notfall- oder Anlaufpraxis) ist eine Arztpraxis, die abends, am Wochenende und an Feiertagen akute Patienten ohne Termin versorgt. Sie erscheinen zur Öffnungszeit, melden sich mit der Krankenversichertenkarte an; sinnvoll sind Medikamentenliste und Befunde. Für gesetzlich Versicherte entstehen keine zusätzlichen Behandlungskosten.
Geleistet wird dasselbe wie in einer regulären Praxis: Abhören, Racheninspektion, Blutdruck- und Blutzuckermessung, Urin-Schnelltest, Wundversorgung, EKG, Injektionen. Ausgestellt werden Rezepte, Überweisungen und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen; bei Bedarf erfolgt die Klinikeinweisung mit Arztbrief. Routineuntersuchungen, Impfungen oder Dauerrezepte gehören in die Hausarztpraxis.
Kosten im Detail: gesetzlich versus privat
Beim kassenärztlichen Bereitschaftsdienst fallen für gesetzlich Versicherte in der Regel keine direkten Kosten an; üblich bleiben Eigenanteile, etwa für Medikamente. Beim privatärztlichen Hausbesuch erfolgt die Abrechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ): je nach Uhrzeit, Wochentag und Aufwand meist 150 bis 300 Euro, Abend-, Nacht- und Wochenendzuschläge sind in der GOÄ geregelt und transparent. Privat Versicherte erhalten die Kosten je nach Tarif erstattet, Beihilfeberechtigte reichen die Rechnung beim Kostenträger ein. Detaillierte Aufschlüsselung mit Beispielrechnung: Kosten für den privatärztlichen Notdienst in Berlin.
Sachlicher Hinweis zur Inanspruchnahme
Für eine privatärztliche Einschätzung mit Hausbesuch in Berlin ist RAB Arztbesuche täglich von 6 bis 24 Uhr unter +49 30 550 77 870 erreichbar; Online-Termine unter Online buchen. Die übliche Ankunftszeit beträgt 60 bis 90 Minuten; Rezepte und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen werden bei Indikation vor Ort ausgestellt. Bei Anzeichen akuter Lebensgefahr ist ausschließlich der Rettungsdienst unter 112 der richtige Ansprechpartner.
Notfall? Wählen Sie den Notruf
Bei Bewusstlosigkeit, starken Brustschmerzen, Atemnot oder starken Blutungen wählen Sie sofort 112. Unser Service ergänzt den Rettungsdienst, ersetzt ihn aber nicht.
Jetzt buchen oder anrufen
Akut krank, aber kein Notfall? Ein approbierter Arzt kommt täglich von 6 bis 24 Uhr zu Ihnen, in der Regel in 60–90 Minuten.